Essen auf den ganz schnellen Rädern

Als begeisterter Zugfahrer habe ich immer wieder das Glück, auch längere Strecke auf Schienen zurückzulegen. Wer rechtzeitig bucht, oder über eine BahnCard verfügt, kann zum Schnäppchenjäger werden. Hier versteckt sich keine Werbung für den Zugverkehr, auch wenn ich der Meinung bin, dass man mit dem Auto wesentlich länger im Stau steht, als Züge Verspätungen haben. In den nächsten Zeilen gehen wir auf das kulinarische Angebot der Deutschen Bahn ein. 

"Genuss auf ganzer Strecke" - das ist der offizielle Slogan der DB Gastronomie. Wird er dem Gerecht, was in den Zügen wirklich passiert?

04:00 Uhr Abfahrt Salzburg Hauptbahnhof, natürlich fällt der Termin auf das Jahrhundertschneetreiben vor zwei Wochen. In der Regionalbahn von Salzburg nach München befindet sich kein Bordrestaurant. Umstieg in München in den ICE nach Berlin, Abfahrt 06:00 Uhr. Und ab hier beginnt die Komfortreise. Wie immer habe ich rechtzeitig gebucht und bei fünf Euro Unterschied, zwischen 1. Klasse und 2. Klasse, habe ich die richtige Wahl getroffen. Ich war noch etwas aus der Puste, als man mich am Platz begrüßte und mir eine kostenfreie Zeitung angeboten hat. Meine körperliche Verfassung hat mir die Tageszeitung verwehrt. Danach habe ich mir erstmal ein kleines Frühstück gegönnt, bestehend aus einer großen Tasse Kaffee und einem Croissant. Zu dieser Uhrzeit reicht so eine Kleinigkeit. Wer es herzhaft mag, kommt bei der Bahn auch nicht zu kurz, Würstchen und Rührei sind neben Butter und Marmelade genauso vorhanden. Kostenpunkt für mein Frühstück, 4,50 EUR. Ich war positiv überrascht, Preis-Leistung stimmt auf jeden Fall. Leider kam ich nur noch zu einem zweiten Kaffee, begleitet von Mineralwasser, da so eine Zugfahrt von München nach Berlin keine vier Stunden dauert. Ich stand also in Berlin und wusste bereits, bei der Heimreise gönn ich es mir. 

Ein paar Tage später, Heimreise. Die Uhrzeit ist jetzt besser gewählt, Abfahrt gegen zehn Uhr. Zum Mittagstisch waren wir noch unterwegs. Der klassische Kaffee, diesmal begleitet von einer Tageszeitung gehört einfach dazu. Gegen elf wurde mein Hunger größer und ich hatte Bock auf eine herzhafte Mahlzeit. Auf der ersten Seite der Speisekarte standen die zeitlich begrenzten Angebote. Darunter Currywurst, aber ich hatte in Berlin genug davon. Auf Alpen-Maultaschen mit Käse hatte ich nicht so Lust. Also umblättern, und dann wurde es schwierig. Vielleicht möchte ich eine Suppe vorweg, oder gar einen Salat dazu. Bei meinem Hauptgericht musste ich aus sechs verschiedenen Gerichten wählen, in die engere Auswahl haben es Chili con Carne und Rindsgulasch nach ungarischer Art geschafft. Ich entschied mich für Chili. Bewusst auf Vorspeise und Salat verzichtet, denn belgische Waffeln, oder ein Brownie haben mich überzeugt, lieber ein Dessert zu nehmen. Die Portion Chili war dann größer als gedacht, daher konnte ich keines von beiden essen. Schade. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mich die 8,20 EUR kurz abgehalten haben, aber auch bei diesem Gericht stimmt Preis-Leistung. Diesmal hatten wir von München nach Salzburg eine Gastronomie mit an Bord, aber ich war noch immer satt und konnte nichts mehr essen. 

In Salzburg steigt ein sehr zufriedener Bahnkunde aus. Positiv überrascht würde ich mein Gefühl beschreiben, bezogen auf die DB Gastronomie. Das Personal ist super freundlich, immer zuvorkommend und wenn man das Glück hat, sich auch mal die 1.Klasse zu gönnen, wird man sogar von vorne bis hinten bedient und man bekommt alles am Platz serviert. Das Bordrestaurant ist zudem auch sehr einladend. Ob es tatsächlich Genuss auf ganzer Strecke ist, was die Speisen betrifft, kommt auf die Sichtweise und Herangehensweise an. Ich persönlich habe schon in vielen Lokalen gespeist (berufliches Glück) und daher auch schon viele Teller serviert bekommen, bei denen ich von Genuss sprechen würde. Aber man muss immer darauf achten, wo man gerade isst. Erwartungen zu haben, die niemals eintreffen können, verderben einem die Freude an der einfacheren Gastronomie. Bezogen auf die Schienengastronomie würde ich behaupten, dass im Rahmen der Möglichkeiten, auch in Anbetracht auf das Kundensegment, fast nicht mehr geht. Man kann und darf keine Sterneküche erwarten, aber es ist guter Standard, zu vernünftigen Preisen. 
Das traurige ist, dass die Gastronomie in Langstreckenzügen nur da ist, um für eine Art Komfort zu sorgen, bzw. dem Kunden etwas bieten zu können, unabhängig davon ob das Angebot in Anspruch genommen wird. Es gib keine Jahr, in dem in dieser Unternehmenssparte ein Plus erwirtschaftet wird. Aber anstatt zu resignieren, was menschlich wäre, wird stetig optimert. Gastrunity sagt danke und freut sich schon auf das nächste Mal. 

Zwei Dinge möchte ich aus persönlichen Gründen noch hervorheben und loben. Es wird vermehrt auf biologische Produkte gesetzt und man bekommt einen Nachlass von 20 Cent, wenn man seinen eigenen Mehrwegbecher dabei hat, auf alle Heißgetränke. Nachhaltiges Denken schadet keinem. Vergesst den Kaffee mit dem besonderen Pappe-Flavour. Genießt ihn in nachhaltigen Cups, schmeckt besser und hilft der Umwelt. 

Kategorie: Magazine

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