Macht Arbeit im Tourismus Spaß? Umdenken in puncto Personalführung ist angesagt!

Es gibt kaum eine Branche die vom Facharbeitermangel so hart getroffen wird, wie die, der Gastronomie, Hotellerie und des Tourismus... Gastrunity hat sich umgehört und recherchiert woran es liegen kann, dass Berufe in diesen Sparten so unattraktiv sind. 

Aktuell leben wir, besonders in Deutschland, in einem demographischen Wandel, was zur Folge hat, dass die Zahl der potentiellen Arbeitnehmer grundsätzlich von Jahr zu Jahr weniger werden. Es kommen mehr Menschen ins Renten(Pensions)alter, als welche, die am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Gegen den demographischen Wandel kann man also nicht aktiv vorgehen, die einzige Möglichkeit ist die, dass man mit ausländischen (Fach)arbeitern diese Lücke schließt. Da die Ausbildungen in Deutschland und Österreich besser sind als in anderen Nationen, wollen viele Betriebe keine Mitarbeiter aus anderen Ländern. Lediglich für Jobs als Spüler, oder Gehilfe, weil gerade diese Berufe von Einheimischen nicht ausgeführt werden wollen - dazu lesen Sie weiter unten mehr. 
Anstatt grundsätzlich gegen Asylbewerber und Immigranten zu sein, sollte man den Flüchtlingsstrom als Bereicherung sehen. Für viele Asylbewerber wäre es eine echte Chance, sich in unserer westlichen Welt besser zu integrieren, denn die Meisten derer wollen sich bei uns ein neues Leben aufbauen. Man sollte sie zu Facharbeitern ausbilden, denn es gibt Studien die aufzeigen, ohne ausländische Arbeitskräfte werden wir in Deutschland und Österreich stark an Wirtschaftskraft verlieren, natürlich gilt das für alle Sparten, in denen Facharbeitermangel herrscht. 

Ein großes Problem ist auch, dass sich unsere Gesellschaft sehr verändert hat. Gerade in Deutschland legen wir einen sehr großen Wert auf unsere Außendarstellung. Da passt es natürlich nicht, einen Beruf zu erlernen, bei dem man dann der "Diener" für seine Mitmenschen ist, oder einen Beruf ausübt, der gesellschaftlich nicht hoch angesehen ist. Noch dazu für eine geringere Bezahlung als in vielen anderen Sparten. Aber all die tollen Vorteile, welche Berufe im Tourismus haben, werden gar nicht wahrgenommen und davon gibt es wahrlich eine ganze Menge. Jeden Tag hört, liest, oder sieht man, dass wir alle ungebunden und frei sein wollen. Also wenn es mit einem Beruf möglich ist, sich auf gewisse Art und Weise frei zu fühlen, dann in der Gastronomie und Hotellerie. 
Der Zwang "besser" zu sein wie seine Mitmenschen ist ein weiteres Problem der Außendarstellung und macht eine Vielzahl der Leute zu angehenden Akademikern. Es wird immer der höchstmögliche Bildungsgrad angestrebt. Wir sprechen nicht davon, dass keiner mehr studieren soll, aber es gibt in jeder Sparte ein Überangebot an Akademikern, zumindest was Bachelorabschlüsse angeht. Ohne Master wird es schon schwer den Beruf zu bekommen, den man sich erträumt hat. Zudem wäre es für viele junge Leute sinnvoller erstmal eine Ausbildung zu machen, um die eigenen Interessen wirklich kennen zu lernen. Mittlerweile kann man über den zweiten Bildungsweg auch studieren und man hat den Vorteil, dass man weiß wofür, bzw. ob es überhaupt einen Sinn hat. Viele wissen nicht was sie schlussendlich werden wollen und seien wir ehrlich, brauchen wir wirklich so viele studierte Sachbearbeiter, weil zu mehr reicht es oft nicht.


Gegen all diese Problematiken, die auf gesellschaftlicher Natur basieren, wäre ein Ankommen möglich - zb. mittels Mitarbeiter-Sharing, wenn man sich ein Partner-Netzwerk aufbaut. Auch die Gerätschaften in der Küche sind mittlerweile so ausgelegt, dass Facharbeiter ersetzt werden können.

Somit kommen wir zum Hauptproblem und einige werden diese Zeilen nicht lesen wollen. Die Hauptursache, warum sich Facharbeiter und die, die es werden wollen von der Tourismusbranche (Gastronomie und Hotellerie) abwenden, sind die Betriebe selbst! 
Man kann nicht davon ausgehen, dass Mitarbeiter und Lehrlinge, jeden Tag mehr als 10 Stunden arbeiten, noch dazu oft unentgeltlich. Diese schlechten Arbeitsbedingungen, die gewiss nicht in allen Betrieben herrschen, machen unsere Gastronomie kaputt. Der Ruf eilt nunmal vorraus und auch Betriebe bei denen die Mitarbeiter geschätzt werden, leiden darunter. Das Stichwort lautet nachhaltiger Umgang mit Personal. Es mag nicht leicht sein, weil das Personal meinstens den größten Kostenfaktor in gastronomischen Unternehmen ausmacht und es kann gewiss nicht von heute auf morgen passieren, aber spätestens jetzt ist ein Umdenken von Nöten. Man muss sich den aktuellen Gegebenheiten und Arbeitszeitgesetzen anpassen, auch ein Einstellen auf die junge Generation ist notwendig. Man darf nicht nur immer schlecht reden und die klassischen Floskeln von sich geben: "Mit den jungen Leuten kann man nichts mehr anfangen, alle verwöhnt und nicht mehr belastbar." Mag sein, dass es zum Teil stimmt, aber was bringt es, wenn die Abbrecherquote bei Auszubildenden bei über 50% liegt. Ebenfalls sollte man seine ausgelernten Facharbeiter mehr schätzen, nach Möglichkeit auch mit höherer Entlohnung. Vielleicht kann man Abstand von seinem Luxusschlitten nehmen und mit einem Mittelklassewagen vorfahren, damit verdient man sich schnell Respekt, da man auf einer Ebene mit seinen Mitarbeitern agiert. Am Ende des Tages muss jeder seine Rechnungen begleichen und Trinkgeld ist kein Bestandteil der Vergütung, auch wenn es viele Unternehmen so darstellen. Es gibt noch weitere Varianten, sollte eine Lohnerhöhung aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht möglich ist, um zufriedene Mitarbeiter zu halten - gehen Sie auf Ihre Mitarbeiter ein, seien Sie bereit über Ihren Schatten zu springen und stecken Sie gegebenfalls mal zurück, denn eines sollte klar gesagt werden, ohne Mitarbeiter können die wenigsten Betriebe langfristig bestehen. 

Es stehen schwere Zeiten vor uns, die nur im Kollektiv verändert werden können, hoffentlich mit gutem Ende für die gesamte Gastro- und Tourismusbranche. 

Gastrunity geht mit der Zeit, machen Sie es auch. Ansonsten kann es passieren, dass Sie mit der Zeit gehen!

Kategorie: Magazine

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